Ich habe mich lange gegen die Traditionen gewehrt, das war wichtig. Ich wollte erst wissen, wer ich ohne sie bin. Andererseits umgeben sie einen (als das Alte) und sind niemals fort, selbst wenn sie unsichtbar scheinen (im Neuen). Das Gegenwärtige ist vom Vergangenen durchwirkt. Rund um den Alexanderplatz frage ich mich notgedrungen: Was war dort vorher? Die technische Moderne hat mich traumatisiert, ich habe das mehrfach beschrieben. Flüsse begradigen, Alleebäume fällen für den Straßenverkehr, ganze Stadtviertel niederwalzen für die Zweckbauten des billigen Einkaufs. Darin mag ein qualitativer Fortschrittsgewinn gelegen haben, nur daß ich ihn nicht erkannte und bis heute nicht erkenne. Aber so waren diese Jahrzehnte im Wirtschaftswunder-Westdeutschland. Nichts sollte mehr erinnern an die alte und böse Zeit. So tobte sich der Zeitgeist an den Objekten aus, statt sich dort zu betätigen, wo es nötig war. Flucht nach vorn aus der bösen und juckenden Schuld – auch wir sind jetzt modern, jetzt kann uns keiner mehr was, jetzt kann uns doch keiner mehr was, kann uns noch einer was, warum kann uns denn noch immer einer was tssss.
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