Zwischenlager für Geschirr und Besteck

Der Geist braucht Objekte, um sich an ihnen abarbeiten zu können. Deshalb liebe ich den Abwasch von Gläsern, Geschirr und Besteck, den Töpfen und Pfannen zum Schluß. Da habe ich was um die Hand, da richte ich was Sichtbares aus und kann es anfassen, vorher und nachher. Ich erlebe das als höchst befriedigend.

Die Spülmaschine, die wir eines Tages besaßen, als ich Jugendlicher war, mißfiel mir fast von Beginn. Das Einräumen der Teller, Gläser, Tassen, Schalen, Eierbecher, Schnittbretter, Tafelmesser, Gabeln, Löffel, Teelöffel, Küchenmesser, Knoblauchpresse usw. ging ja noch. Waschtablette einlegen, kleine Klappe zu, große Klappe zu, Programmwahl, ab geht’s. Die Maschine arbeitete vor sich hin und machte schlürfende und tosende Geräusche, mir erschien sie wie ein Wesen sonderer Art. Ich war nicht gegen sie eingestellt.

Dann war sie fertig. Große Klappe auf – Austritt von Wasserdampf. Das „Abgewaschene“ war noch heiß, man konnte es nicht anfassen. Auf den Unterseiten der Tassen und Becher stand noch Wasser, man mußte es abtupfen. Hatte man idiotischerweise Kochtöpfe oder Pfannen mit eingestellt, waren sie nicht wirklich sauber – trotz der richtigen Programmwahl (stark verschmutzt). So räumte ich also aus und bildete auf den Arbeitsflächen der Küche Fraktionen der abgestellten Objekte.

Hierhin die Gläser, daneben die Tassen, anschließend die Teller, benachbart den Schalen. Und so weiter. Nun mußte alles in die Schränke und an den vorgesehenen Platz. Eine Ordnungswissenschaft. Handwerker kennen sie, hassen sie, benötigen sie. Welcher blöde Scheiß soll wo bitte hin. Die Einzelteile haben aus sich selbst heraus keinerlei Lust, irgendwohin zu gehören. Menschen müssen das leisten, es selbst entscheiden und dann vollstrecken. Aber das hat nichts mit der Maschine zu tun, das ist ein allgemeines Problem.

Doch zurück zur Spülmaschine. Ich besitze keine und wünsche sie mir nicht. Sie ist ein Zwischenlager, eine Abstellkammer, gut für Partys und große Familien, für Firmen und Kantinen. Sie lehrt mich Abneigung. (Beim Abwasch kann man schön allein sein und sich genauso gut schön unterhalten.) Die Waschmaschine dagegen mag ich sehr. Sie hat einen Namen und macht mir derzeit Sorgen. Wir werden sehen.


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