Während ich tue, was ich tun kann, um mich zu zerstreuen oder zu konzentrieren auf etwas außerhalb der aktuellen Problemlage, schwebt über uns allen hierzulande eine Politik, die sich wild entschlossen gibt, einen Krieg, den sie so nicht gewinnen kann, zu gewinnen. Das wird bedrohlich und soll auch so wirken. Ein zukünftiger Kanzler, der keine rote Linien mehr kennen möchte, ist gefährlich. Das Grundgesetz weist ihm seinen Platz zu, den muß er einhalten. Den starken Mann spielen zu wollen ist nichts Neues, Entschlossenheit zu demonstrieren gang und gäbe für jemanden, der frisch im Amt ist, übernehmen muß und sich durchsetzen will. Unglückseligerweise folgt auch er dem ramponierten Alternativlosigkeits-Narrativ, der Plan-A-Variante der Pandemiebekämpfung, die früh ausgegeben wurde und alle Hoffnung in die neuen Impfstoffe setzte. Diese Plan-A-Variante hat eine Art Blickfeldverengung geschaffen, deren Grenzen nun ebenso erbittert verteidigt wie angegriffen werden. Wie lang halten die Dämme, wie lange gelingt es, die Informationen zur aktuellen Krise zu monopolisieren? Der Dammbruch wird erfolgen, denn nichts ist langweiliger, ermüdender und schädlicher (Auszehrung) als ein fortdauernder und geistig erstickender status quo. Die eilig zusammengezimmerte Statik der politischen Kräfte wird nicht währen. – Bereits die Bestellung von Karl Lauterbach zum neuen Gesundheitsminister ist ein Fehler, auch wenn Olaf Scholz gedacht haben mag, dies sei ein cleverer Schachzug, indem der notorische Lauterbach als bad boy fungiert, während der Kanzler ausgleichend darüber schwebt und sich die Finger nicht schmutzig machen muß. Das Vorbild ist bekannt: Grandseigneur Richard v. Weizsäcker als Regierender, unter ihm Heinrich Lummer als Beißer und Treter (Innensenator) des politisch aufgewühlten West-Berlin (1981-86).
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