„‚Furcht heißt, nicht zu säen wegen der Vögel.‘
Heute scheinen wir fast ausschließlich von der Furcht belebt zu sein. Wir fürchten sogar, was gut, was gesund und freudebringend ist. Und was ist ein Held? In erster Linie ein Mensch, der seine Furcht überwunden hat. Man kann in jedem Bereich ein Held sein. Wir erkennen ihn jedesmal, wenn er erscheint. Seine einzige Tugend besteht darin, daß er mit dem Leben, mit sich selbst eins geworden ist. Er hat aufgehört, zu zweifeln und zu fragen und dadurch den Fluß und den Rhythmus des Lebens beschleunigt. Der Feigling dagegen versucht den Fluß des Lebens aufzuhalten. Er hält jedoch nur sich selbst auf. Das Leben geht weiter, gleichgültig ob wir als Feiglinge oder als Helden handeln. Das Leben hat uns, wenn wir uns das nur merken wollten, keine andere Lehre zu erteilen, als es fraglos hinzunehmen. Alles, vor dem wir unsere Augen verschließen, vor dem wir davonlaufen, das wir verleugnen, anschwärzen oder verachten, wird schließlich zu unserer Niederlage beitragen. Was scheußlich, schmerzlich oder übel erscheint, kann ein Quell der Schönheit, Freude und Kraft werden, wenn wir ihm mit aufgeschlossenem Geist entgegentreten. Jeder Augenblick führt für den, der die Gabe hat, ihn zu erkennen, Gold im Munde. Das Leben geht jetzt vor sich, in jedem Augenblick, mag die Welt auch voll von Tod sein. Der Tod triumphiert nur im Dienst des Lebens.“
Henry Miller, Die Welt des Sexus
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