21 Monate Beklemmung

Der Brustkorb hebt und senkt sich, die Augen sind geschlossen. Manchmal zucken die Finger einer Hand oder ein Geräusch gerät aus dem Mund. Da spricht etwas, aber es erreicht und überquert nicht die semantische Grenze. Unverständlichkeit ist das Wesen der Isolation. Unverständigkeit ebenso. Die Grenzen zwischen Menschen sind hoch. Man kommt kaum über sie hinweg, obwohl sich die meisten danach sehnen. Von den Tieren läßt sich lernen, sie sind ihren Bedürfnissen näher und verbinden sie mit ihren Fähigkeiten. Füchse lernen nicht fliegen, obwohl sie recht gut klettern können (in Maßen), doch sie sind gut im Buddeln und Unterwandern. Auch den Dachsen ist solches Können eigen. Ich will schreiben – noch ist nicht aller Tage Abend, nur weil es aktuell besonders dunkel ist. Die Lider zucken leise im Schlaf. Hier ist es ruhig, keine Druckkammer. Menschen sind gefährlich, wenn man sie läßt. Ich fühle mich wie unter Wasser, wie zuletzt im April vor einem Jahr, als wir eine Lesung veranstalteten, die via Zoom stattfand. Noch immer schüttelt es mich, denke ich daran zurück. Diese Erinnerung entnimmt mir niemand mehr. Es war nicht schön, es war seltsam – womit ein weniges gesagt ist. Schön war daran, daß so viele liebe Leute einschalteten und mit uns waren, allesamt in ähnlicher Beklemmung. Seitdem sind zwanzig Monate vergangen.


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