Eine große Stadt sollte Geheimnisse bergen. Man darf sie nicht vollständig kennen. Nicht die menschlich-privaten Geheimnisse sind gemeint, die findet man auch auf einem Dorf, und nicht zu knapp. Es geht um etwas, wofür es kein bestimmtes Wort gibt. Vielleicht läßt es sich umschreiben. Große Städte sind wie stöhnende Tiere, die sich mühsam von der einen auf die andere Seite wälzen, sind wie der weiße Wal, dessen Rücken mit Harpunen gespickt ist und in die Tiefe stürzt. In ihnen gärt und brodelt es wie in einem Hexenkessel. Giftige Dämpfe steigen auf, doch sie können heilen. Große Städte sind soziale Labore, in denen die unterschiedlichen Verhältnisse miteinander reagieren. In ihnen kann man sich ergehen wie in einem Park endloser Pracht und Armut. Die Frau am Ende der Treppe fragte mich, ob sie mein Telephon benutzen könne. Um sie herum stand, was geblieben war: zusammengerafft in zwei Einkaufstaschen und einem Einkaufswagen. Ich tippte für sie die Nummer ein, gab ihr das Telephon. Der, den sie anrief, sagte nicht einmal einen Satz, dann legte er auf. „Wegen dem bin ich überhaupt nur in dieser Situation. Früher war der mal Hausbesetzer, heute ist er ein Arschloch.“
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