Rehabilitierte Kritik

Wäre ich ein Prediger oder taugte zum Missionar, würde ich denen, die es angeht, zurufen: Lebt ein durchaus eigenes Leben. Verlaßt euch auf nichts, außer es hat sich als verläßlich erwiesen. Akzeptiert so wenig wie möglich die vermittelnden Instanzen, also Kommunikationsmedien. Geht an die Dinge selbst heran, beschafft euch Erfahrungen und eigenes belastbares Wissen. Mißtraut den Parolen, prüft sie auf Substanz. Seid ehrlich zu euch wie zu den Freunden. Es ist nicht nötig, ihnen oder sich selbst etwas vorzumachen. Und so weiter. Und das rede ich zu mir, nicht als Predigt, sondern als stilles und freundliches Gebot, das ich brechen darf, wann immer ich möchte, nur darf ich dann auch wissen, daß ich es tue, sofern ich es tue. Mißtraue jedem Glauben, zuvorderst jenem, der sich nicht als Glaube erkennt und reflektiert. Es wurde selten derart viel und diffus geglaubt. Wir durchleben eine fromme und erstaunlich ahnungslose Zeit. Man kann das allerdings „interessant“ finden …


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