Es ist wie mit dem natürlichen Sprechen

Die Texte, die ich schreibe, müssen aus einem Augenblick heraus erfolgen. Sie ersetzen nicht ein anderes Handeln, sondern sind das mir mögliche Handeln in diesem oder jenem Moment. Ein situativer Akt. Deshalb auch glaube ich, daß Aussagen, denen zu trauen ist, stets aus der Situation erwachsen und sich in ihr bewähren müssen. Mit zurechtgelegten Sätzen mag man in ein Referat finden, derart vielleicht, daß man überhaupt zu sprechen beginnt, aber in die Strömung, die auch andere erfaßt und mitnimmt, kommt man über sie sicher nicht. Der Augenblick ist durchpulst von Leben und Dringlichkeit, und in ihm suchen sie Ausdruck. In ihm finden sie Worte. Ohne ihn blieben sie stumm. Ich lerne mich kennen, indem ich aus dem Augenblick heraus schreibe. Es gibt kein Konzept. Soll ich zu einer Sache reden, bestimmen erneut Augenblick und Situation, wie ich sage, was ich zu sagen habe. Den Satz, den ich heute auf diese Weise schreibe, kann ich morgen nur mehr auf andere schreiben. Ich käme mir sonst vor wie ein Lügner.


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