Hätten wir Unordnung hier und regierte das Chaos, wären wir unterreguliert und schrien täglich nach ordnender Hand (manche tun das), wäre ich dabei und schlösse mich an. Ganz recht, diese Stadt ist etwas schmutzig und zuweilen etwas laut. Ganz recht, hier toben sich Leute aus, die woanders sich das nicht trauten. Berlin als Insel, Berlin als Abort. Ich denke, wenn ich an Berlin denke (ich tue das selten, denn ich lebe hier), eher an das Land, dem es vorstehen soll, also Deutschland. Kaum schreibe ich dieses Namenwort, durchzucken mich widerstreitende Gefühle. Berlin ist nicht Deutschland, versprachen sie, als wir damals hier landeten. Doch bin ich nicht gegen Deutschland – das wäre allzu bequem. Ich bin für dieses Land, was soviel bedeutet, daß ich mit ihm ringe und streite. Ich bin ja auch für Gott (falls man das so nennen soll, was man so nennt), doch ich kämpfe (- wenn auch nicht so leidenschaftliche wie N. Kazantzakis). Ein Land ist nicht Gott, sicherlich nicht. Ein Land ist ein Teil, eine Länderei mit Menschen und Geschichten, und Ordnungen auch, oh ja. Ordnungen sind Wertungen. Wertungen sind Bevorzugungen und Benachteiligungen. Sie geben an, was sein soll und was nicht. Strömungslehren für das unbändige Leben.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.