Bei Hofe – aber unter welchem König?

„Danke für Ihre Zeit“, sagen sie jetzt manchmal nach einem Morgen-Interview auf nüchternen Magen oder für den Fall, daß der Gesprächspartner etwas riskiert, wenn er „öffentlich“ spricht. Danke für den Mut, könnte es heißen, oder: Danke für die Selbstüberwindung. Oder: Danke für die Expertise. Wie auch immer. Ich suche nach dem Kern solcher Dankesbekundung – worin sie besteht. Vielleicht soll gesagt werden: Danke dafür, daß sie sich diesem Thema widmen und dafür einsetzen, daß ein Problem gelöst werden kann, möglicherweise. All dies kann Zeit enthalten: Widmung, Fürsorge, Aufmerksamkeit. Beobachtung und kritischen Vergleich. „Danke für Ihre Zeit“ ist höfisch und verzwinkert formuliert – ein bißchen frivol, beinahe rokoko-haft. Man sagt niemals das Eigentliche, da das Eigentliche nicht gesagt werden kann, allein schon aus Geschmacksgründen. Friedell lesen – Kulturgeschichte der Neuzeit.


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