Orte und Worte

Nach der Flut die Ebbe. Das gilt auch emotional. Die Aufregung kann sich nicht stabil halten, sonst zerbirst das System. Nach den Höhen der Erregung nun die Mühen der Bewältigung, Brecht paraphrasierend. Das Übergeschnappte der Meinungs- und eifrigen Standpunktsbekundungen läuft aus. Lahm und lähmend sind die Gesinnungsbeiträge, zu selten bisher die Wirklichkeitsanalysen. Wirklichkeit ist handfest, man stößt auf sie überall. Auch Ideen und Gesinnungen sind wirklich, da sie ja wirken oder es zu tun bemüht sind. Aber erste Wirklichkeit trifft man an, wenn man die Verhältnisse vor Ort kennt. Verhältnis bedeutet: wie es sich verhält, wie sie sich verhalten, was sie von etwas halten, wie sie sich dazu verhalten, diese – jene, manche – einige, ja oder nein. Wirklichkeit ist komplex, das heißt: sie ist nicht auf einen schnellen und mögenden Blick hin gefällig, sie dient sich nicht einer bestimmten Sichtweise an und drängt sich nicht auf. Man darf sich in sie begeben, „vor Ort“, ganz dort. Da gibt es dann meistens Leute, die so viel wissen, daß man in die Lehre gehen muß, und zwar gründlich.


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