Schnell, laut, bedeutungsvoll

Soeben sehe ich Claire Danes durch die Gegend joggen und denke mir, fast flehentlich: Geh spazieren, aber achte darauf, daß du langsam gehst und nicht schon wieder schnell irgendwohin willst. Bereits vom Zusehen macht mich die Figur der Carrie Mathison in Homeland schwindlig. Dauernd ist Alarm. Kann ihr jemand den Blutdruck senken, die Hormone regulieren, den Ehrgeiz zügeln, bitte. Dennoch schaue ich weiter und will sie auch mögen, wenngleich sie mir mächtig auf den Geist geht. Ihr ist die Firma Autorität. Ich schaue weiter, will sehen, ob sie sich dieses Vorurteils entwinden kann.

Hinzugefügt sei, daß die Protagonistin unter einer bipolaren Störung leiden soll. Claire Danes spielt diese Störung überzeugend, mag sein. Ich erinnere mich eines Gesprächs mit einem medikamentierten „Bipolaren“ vor etlichen Jahren in einem Selbsthilfecafé in Weißensee. Er war unglücklich, sagte mir, für jedes „high“ würde er jederzeit ein „down“ in Kauf nehmen. Zugleich machte er deutlich, daß dies nicht gesagt werden, nicht einmal gedacht werden sollte. Ich bin fett, antriebslos und dumm, sagte er auch noch. Kurz nach der Wende brach die Störung auf, erzählte er. Er war Jahre zuvor in die Fänge und Schlingen der Staatssicherheit geraten. Dann spielte er Gitarre. Das konnte ich mal richtig gut, sagte er.


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