Wem unterwirft sich der Mensch

Seit ich denken kann, frage ich mich nach dem Sinn eines Attributs wie „modern“. Ich entstamme nicht einer sonderlich modernen Familie, ich komme vom Land, vom Bauernhof. Dort war es teils-teils, als ich zu begreifen begann. Manches war noch alt, anderes vielleicht schon neu im Sinne von modern. Doch das Fordernde und Ziehende von „modern“ lernte ich schnell. Als Kind lernt man schnell. Später versuchte ich und versuche es bis jetzt, ein wenig Distanz zu dieser Schnelligkeit und der Veränderungsgeschwindigkeit, der wir unterworfen sind und unterworfen werden, zu gewinnen. Wohin zielt oder läuft dieses Moderne? Vor vierzig Jahren wußte man, daß es zerstörerisch und selbstzerstörerisch agiert und im Kollaps endet. Dann kamen die Erfolge des Westens (retardierendes Moment) und verlängerten die Ablauffrist, zögerten den Zusammenbruch und die kathartische Reinigung hinaus. Unser ungeklärtes Verhältnis zur Natur. Klapp- und Tastenhandys sind wieder modern. Retroschlaufen. Flucht nach vorn landet hinten. Mich wundert wenig. In dreißig Jahren haben wir einen Kaiser. Zwischendurch optimieren wir die Gene und stürzen.


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