Es geht voran

Wut hilft nicht weiter, sie treibt in die Regression. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals gesagt hätte: Das macht mich wütend. Ich kenne die Wut, kenne sogar den „heiligen Zorn“. Derzeit befällt mich aber eine – fast schon lähmende – Fassungslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Der Krieg in der Ukraine weitet sich aus und zieht Welle um Welle. Die politischen Eliten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden später „Die Schlafwandler“ genannt, wie also heißen diejenigen, die derzeit entschlossen und vollüberzeugt immer noch neues Öl ins Feuer der Konflikte gießen? Sind das „die Kaltblütigen“, die Frauen und Männer ohne Nerven? Ich erkenne sie auf beiden Seiten der Linie, auch wenn sie sich auf den ersten Blick nicht zu ähneln scheinen. Längst haben sich alle eingegraben in ihr Rechthaben, in ihre Version vom Hergang der Geschehnisse und der Selbstlegitimierung. Die Lage ist heillos. Waffen sprechen – und sollen weiter sprechen. So sagt man uns. Der Sieg sei nah. Hätte ich meine Skepsis nicht mehr, ich wäre verloren und spielte politische Posaune wie ein Idiot.


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