Ist das Leben realistisch

Der unter Amnesie leidende Held steht auf einem Krankenhausflur, liest den Wegweiser des Krankenhaus-Navigationssystems: Kindheit A-J — Schilderwahn (Obsession With Signage) — Ottomanenträume (Dreams About Ottomans) — Verpflichtungsphobie (Commitment Phobia). Es gibt weitere Abteilungen: Cod Psychological Daddy Issues; Sense Of Self Worth; Abandonment Issues; Imposter Syndrome; Impending Mid-Life Crises; Existential Neuroses; Childhood K-Z. Wohin sich wenden, wem sich vertrauen? Qual der Wahl. Da ruft ihn die Stimme des Vaters in ein Krankenzimmer. Niemand sonst dort. Der Vater liegt an Schläuchen, die Herzschlagfrequenz wird aufgezeichnet. Zwölf Jahre hast du Klavier gespielt, sagt der Vater. Das hast du doch nur gemacht, um deiner Mutter zu gefallen. So war es leichter für dich. Statt deine eigene Entscheidungen zu fällen. Das ist dein Problem, Sohn. Du pushst dich nie selbst. Wo bleibt dein beschissener Wille. — Dad, laß los! ruft der Held und entwindet sich dem harten Klauengriff des alten Mannes. Schon zeigt das Überwachungsgerät, daß des Vaters Herz aufgehört hat zu schlagen. Der Sohn stürzt hinaus auf den kahlen Flur, jemand soll helfen. Niemand da. Er faßt an die Klinke der gegenüberliegenden Tür, öffnet sie und steht am Strand. Vor ihm liegt und bewegt sich rauschend das Meer. Schon sind da Badende. Eine leichte Brise geht, an der Strandbar sitzt die fremde Freundin, die ihn zu erwarten scheint. Wir, die wir zusehen, kennen sie bereits. Unser Held aber lernt sie gerade erst kennen.


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