Ich weiß, warum man schreibt, statt lediglich zu reden. Man kann ausreden. Niemand unterbricht. Dafür gibt es Einsamkeit geschenkt. Niemand korrigiert – so kann man sich verlaufen. Verlaufen bedeutet entdecken. Der Seeweg nach Indien, das lernt sich in der Schule schon. Versuche ich mündlich zu erläutern, wie es mir derzeit geht, bemerke ich mein Scheitern nach wenigen Sätzen. Ich kann es nicht schnell mal eben so sagen. Schnell mal eben so kann man einen Tipp abgeben für das Fußballspiel am nächsten Sonntag zur Eröffnung der Totenfußballweltmeisterschaft. Geld geht immer vor, wer wüßte das nicht. Schnell mal eben so kann ich über das Wetter reden, sofern es nicht gleich Klima sein muß, oder die Hochpreispolitik des angebissenen Apfels. Schnell mal eben so kann ich sagen, daß ich die Hetze gegen die Leute, die sich zwar reichlich pathetisch für die letzte Generation halten, für unanständig halte. Schnell mal eben so kann ich erkennen, daß der Präsident der Ukraine fast alles daran setzt, den Krieg seines Landes gegen die russische Invasion zu einer Angelegenheit des Westens, am liebsten des Nato-Bündnisses zu machen. Ich würde das an seiner Stelle ebenfalls versuchen. Doch man kann nicht schnell mal an der Stelle eines anderen sein. Man schreibt, um eine Schwierigkeit (oder eine Schönheit, die verwundet und schmerzt) zu stellen und sie vollständig zu sagen, wahrheitsgemäß und aufrichtig, nichts zu verschweigen, ihren Folgen nachzugehen, die eigenen Zweifel auszukundschaften, vor allem das, und um anschließend vielleicht wieder schlafen zu können. Das Leben hebt und senkt mich, wirft mich auf und wirft mich ab. Zwischen solchen Hebungen und Würfen gehe ich in Gedanken versunken durchs Laub der langen Alleen. Es hilft nichts, daß ich Politik zu verabscheuen beginne. Es hilft nichts, daß ich manchmal fürchte, ich sei nur ein Abbild der Kämpfe unserer Zeit. Ich weiß nicht einmal, wem die Zeit gehört.
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