Schneeleoparden

Leichter Schneefall ist angekündigt. Auf dem Regenradar ziehen Wolkenverbände aus dem Norden ein. Ich wünsche mir eine Schneeverzauberung. Die Natur ist grausam und poetisch. Daß wir Menschen einen Sinn für das Schöne haben, beschäftigt mich seit langem. Offenbar ist uns nicht alles genehm, wir wünschen zu unterscheiden. Von mir aus kann irgendwer versuchen, mir diesen Zusammenhang von Sinn und Sinnlichkeit auszureden oder biologistisch-funktionalistisch-reduktionistisch zu entzaubern, also kleinzuerklären (mit dem Wörtchen „nur“). Ich bin das gewohnt. Die Leute sind schon so zurechtgestutzt, daß sie ihren Träumen nicht mehr trauen. (Aber das heißt doch sich aufgeben.) Niemand kann allgemein leben, denn das ergibt nichts. Leben lebt sich besonders. Deshalb haben die Begegnungen und inneren Regungen eine solch große Bedeutung. Nenne es Zufall, nenn‘ es Schicksal. Es geschieht etwas, aber nicht irgendwas. Schneit es bereits? Ich möchte der ersten Schneeflocke entgegenspringen an diesem 12.12.22. Keine Schneeflocke gleicht der anderen.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schneeleoparden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert