Als die Freiheit frivol wurde. Darstellerischer Mißbrauch in den Filmen von Quentin Tarantino, beispielsweise. Wir sind so lustig, daß wir quälen, foltern, abschlachten. Die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Darstellung, die Freiheit der Persiflage. Wer sollte hier irgendwem irgendwas anhaben können, in unserem Kartell der avancierten Deutung und des Genusses von Kunstblutschlachtung, Gewaltpornographie und Pasolini-Zitaten. Die Sache des Menschen war billig geworden Anfang der Neunziger, die Langeweile zehrte. Boulevards schrien nach grausameren Vergnügungen. Als Überbietung und Ironie kein Geschäft mehr ergaben (wir hatten alles gesehen), wurde es ausgetauscht gegen Anteilnahme und Identifikation mit vorgeführten Identifikationsstereotypen. Näheres unter Carl Einstein, Die Fabrikation der Fiktionen. Ich werde seitenlang daraus zitieren, um den Übergang in Blödsinn und Grausamkeit, also die baldige Barbarei zu markieren. Jetzt möchten sie schon echtes Blut riechen, zittern in Vorfreude und Ungeduld.
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