An der großen Kreuzung

Gehobene Stimmung am Imbißstand. Gleich bekommen die Kinder Pommes. Da läuft das Wasser im Mund zusammen. Auch ich werde versorgt, schneller als gedacht. „Ja, superschnell! Maschine!“ lobt sich der Imbißmann. Während ich esse, flirtet er mit der Mutter, und kaum ist die mit ihren Kleinen fort, schäkert er mit der jungen Frau aus Lyon, die eine Marineuniformjacke trägt und ebenfalls Pommes mag. Er selbst, jetzt in Spitzenlaune, stammt aus Sardinien, wo es wunderschön ist, fast so schön wie in Lyon. Als ich zahlen möchte, beschwert er sich über den Fünfzig-Euro-Schein: „Ah, kann ich nicht wechseln – ist zu groß – schau mal!“, zeigt mir die geöffnete Kassenschublade, ringt mit den Händen. „Und was machen wir jetzt?“ frage ich. „Soll ich das Geld überweisen?“ Er schüttelt den Kopf, zuckt mit den Achseln: „Mußt du wechseln gehen, ist mir egal, wo.“ Die Frau aus Lyon zeigt, wo ich das könnte. Irgendwo sind Geschäfte. „Kannst du ruhig gehen, kein Problem“, feuert mich der Sarde an. Über die Straße links ist ein Spätkauf. Ich kaufe eine kleine Flasche stilles Wasser für 1,20, lege den Fünfziger in die Schale und 20 Cent dazu. Der Verkäufer gibt mir einen Zwanziger, zwei Zehner und zwei Zwei-Euro-Münzen zurück. Ich stecke Geld und Flasche ein, bin bereits draußen Richtung Imbißstand, da fällt mir auf, daß was nicht stimmt. Zurück im Laden lege ich das Geld, das mir gegeben wurde, erneut in die Schale und sage: „Das haben Sie mir rausgegeben, da fehlen fünf Euro.“ Der Verkäufer sagt nach kurzem Zögern: „Ja, stimmt“ und reicht mir den fehlenden Schein. Der Imbißmann freut sich, wünscht einen schönen Tag, und beide sind wir glücklich in einer Welt, in der man sich trauen kann.


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