Für das Richtige und Gute

Erinnerung an ein Gespräch Anfang Oktober im Stadtteil Friedrichshain vor einem Café mit Selbstbedienung inmitten freundlicher Menschen. Dummerweise gerieten wir in die Politik, so daß ich ermattete, endlich sagte: zu jedem nur denkbaren Thema könne ich das eine und mit ähnlicher Berechtigung auch das andere vertreten. Interessant war, wie mein Gesprächspartner das aufnahm: daß ich nämlich mit Themen und Ansichten lediglich spielte. Wir kannten und kennen uns nicht sonderlich gut, und doch mußte ich schlucken. Da hörte jemand nicht mit dem guten Ohr, sondern vermutete mit dem anderen. Was also wollte ich sagen, als ich sagte, ich könne zu nahezu jeder Meinung eine begründete Gegenmeinung aufrufen. Ich wollte sagen, daß ich die Berechtigung unterschiedlicher Standpunkte und Meinungen verstehe und anerkenne. Lag darin bereits die Provokation. Mein Gesprächspartner ist ein freundlicher Mensch, doch vielleicht wünschte er sich an jener Stelle ein eindeutiges Bekenntnis. Ich blieb es schuldig.


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