„Ich antwortete ihm, wir hätten die Frage bereits gelöst, indem wir sie nur berühren“

Sogar die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull haben zu mir gefunden. Thomas Manns ausufernde Stilsicher- und unsicherheiten sind darin zu finden, jedoch auch eine Leichtigkeit, die gefangen nimmt. Das Buch lag im Hausflur und bot sich an. Kapitel neun, erstes Buch: „Es ist wirklich nichts leichter, als einen Lift zu bedienen.“ Wenig davor: „Er ging.“ Das sind Pistolenschüsse im Werk eines Hypotaxeurs, dessen Satzperioden spinnenhaft oder jägerartig jedweden semantischen Raum mit Schlingen und Stolperfallen in einen gefährlichen, jedenfalls trügerischen verwandeln. Ein auftrumpfendes und ironisches Schreiben ist dem eigen: indem es dem Lesenden während der Lektüre sogleich beweist, wie einfältig und abgeschmackt seine Erwartungen sich ausnehmen im Vergleich zu dem, was der Autor sukzessive auftischen und vielleicht kurz danach wieder wegwischen wird. Ironie beeindruckt und verunsichert. Was läßt sich wörtlich nehmen, worauf ist Verlaß. Der Zauberer lächelt maliziös. Daß seine manipulative Höhe sich der Moral verbindet, ist unwahrscheinlich. Er könnte subtil die Mordlust propagieren. Das Bürgerliche setzt ihm letzte Grenzen der Schicklichkeit. Mann war Nietzscheaner in zeithistorischer Ausdeutung, sein grandioses Werk ist das überlaufende Wasser des Fasses, das nicht überlaufen darf.


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