Berlin ist viele Orte, denke ich nun, da ich auf Geheiß endlich 4 Blocks sehe, die Serie über Neukölln und die sogenannte Clan-Kriminalität. Die kamerabestückten Drohnen fliegen dauernd über unseren Wohngebieten, ich erkenne Ecken und Straßen, Läden und Passagen. Im November letzten Jahres lief ich, es war gegen sieben oder acht Uhr abends, die Sonnenallee vom Hermannplatz aus nach Osten, weiter und immer weiter. Ich schlängelte mich zwischen Menschen und Ständen hindurch und wünschte mir, eine Kamera auf der Stirn zu haben, damit aufgenommen würde, was ich sah. Ich sah die Menschheit. Alle waren da und hatten zu tun. Ich lief nicht nur durch Berlin, Deutschland, Europa – ich lief durch die Welt. Daß in der Welt Herrschaftsgefüge installiert sind, weiß schon ein jedes Kind, nachdem es eingeschult ist. Ich kann zur Kriminalität wenig beitragen, außer daß ich zweimal auf der Straße angegangen wurde, beide Male des Nachts, einmal vor fünf Jahren, einmal im Februar dieses Winters (nachdem ich Wir leben hier geschrieben hatte). Ansonsten ist es ruhig und ich bin nicht aufgeregt. Berlin ist viele Orte, es hat sie nicht. Das wollte ich sagen.
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