Da die Vergangenheit uns zu dem gemacht haben soll, der wir sind, und die Zukunft von uns zu fordern scheint, daß wir uns zu behaupten wissen und nicht Nachteile hinnehmen müssen, gerät die lebendige Gegenwart ins Hintertreffen und ähnelt eher einem Flur oder einem Tunnel. Man durchläuft sie: Stück für Stück, Sekunde um Sekunde, Herzschlag nach Herzschlag. Meist ist sie ins Nachher gerichtet. Das ist der Ort hinter der nächsten Straßenecke. Ist er erreicht, wird ein neuer nächster Ort fixiert und anvisiert. Dort muß man dann ebenfalls hin, möglichst schnell. Ich schreibe hier auch nur, um einen Text zu schaffen, der einmal in ein Buch soll. Und wenn dieser Text einmal in einem Buch steht, dann ist dieses Buch dazu da, daß es zu etwas wird, das anerkannt und verstanden und gewürdigt wird. Der reinste Blödsinn. Ich schreibe also in aller Ruhe und ohne Hast und fast ohne Ehrgeiz (klebriges Wort) und liebe es, die Tasten zu berühren und in gewisser Reihenfolge zu betätigen, so daß allmählich dieser Text entsteht, der eigentlich ein Gewebe ist, durch das jede Einzelheit mit dem Rest sinnvoll verbunden ist. Wie kam die Hast in die Welt, weiß das jemand? (Ich habe kaum noch einen Sinn für Rekorde. Zuletzt hörte ich, daß der neue Erfolgstrainer des FC Bayern in elf Pflichtspielen so viele Niederlagen eingefahren hat wie sein entlassener Vorgänger in siebenunddreißig.)
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Ich schreibe hier auch nur, um einen Text zu schaffen, der einmal in ein Buch soll. — Holger, ich nehm Dich beim Wort.