Es ist ganz leicht, man denkt nur nicht dran

Mir ist es lieber, wenn ich sage: Ich lebe in der Zeit. In der Zeit zu sein oder in ihr zu liegen oder sich in ihr zu bewegen wie in sommerlich warmer Luft, das ist schön und sinnlich. Ein guter Tag wird nicht zerhackt in Termine, sondern fließt harmonisch von Ort zu Ort und rhythmisiert sich nach Maßgebe des Herzens und der Sinne. Die schnelle und hektische Taktung giftet noch in uns, doch kaum bleiben wir stehen und geraten ins Bemerken, fällt der Blödsinn von uns ab und sucht sich wen anders. Ich habe das sogar im Winter vermocht, nahe der Friedrichsbrücke in Mitte. Es ratterte und tackerte in meinem Kopf, ich ging schnell, ich wollte Schritt halten mit den Gedanken, die wieder und wieder dasselbe bekundeten. Und dann gab der Geist dem Gehirn ein Kommando, wie ich es gelernt habe. Ich blieb stehen, an Ort und Stelle, links von mir die Brücke, geradeaus die Uferpromenade, halbrechts der Hackesche Markt. Das Gehirn ist das vorlauteste Organ, noch neu, ein Parvenu, ein Wichtigtuer, ein Schreihals. Dauernd soll Abwesendes wichtig sein. Und so kommt der Geist ins Spiel, jene höhere Instanz, die das Gehirn zur Ordnung ruft. Man nennt diesen Ordnungsruf und den Zustand, der sich daraufhin einstellt, Meditation. Erst jetzt war ich an Ort und Stelle. Ich besah, was ich sah, bemerkte, daß ich lief, und auch den Kiesstaub unter den Sohlen der Schuhe. Die Gedanken waren fort, waren verschickte Erinnerung. Ich ging im Hier und Jetzt und war frei.


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