Die Kleider

Oft ist mir, als redete ich nur noch mechanisch. Dann spreche ich, wie meine Rolle es vorzusehen scheint. Ich möchte niemanden schockieren. Ich kann sogar ein klein wenig primitiv sein oder leichthin, unbedacht und schmetternd, volkstümlich geradezu. Nicht umsonst stamme ich vom Dorf, einem dieser kleinen und gemeinen Ortschaften, wo jeder jeden kennt und kaum jemand jemals Gutes sagt über seinen Nachbarn oder den Pfarrer oder über den lieben Gott. Man spuckt dort aus, bevor man spricht. Zur Sicherheit. Niemals würde man es dort wagen, den Tag vor dem Abend zu loben. Es hätte sich nicht gehört, es wäre unrecht gewesen. Jenes mechanische Sprechen eignet mir, seit ich neuerlich herauswachse aus der zu engen Haut bisherigen Lebens. Mir ist, als sei ich längst ein anderer, müßte aber doch, aus Rücksicht wohl, tun, als sei ich ganz der Alte. Das fühlt sich schwummrig an. Als führe ich zu schnell auf einer Landstraße und müßte die Alleebäume fürchten, den Straßengraben und Wildwechsel. Das uneigentliche Sprechen ist mir unangenehm, ich möchte den Fummel der Sprache fortreißen. Warum nicht von Herz zu Herz. Und doch darf ich es nicht.


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