Eine leichte Nacht! wünschten sie in Mostar. Es war sommerlich heiß, die Luft stand über dem Kessel, in dem die Stadt liegt und sich der Neretva zuneigt. Die berühmte Brücke über den Fluß war während des Krieges zerstört worden, mittlerweile ist sie wiederaufgebaut. An der ehemaligen Hauptkampflinie, die die Stadt in zwei Hälften teilte, sahen die Gebäude aus, als wäre ein Schwarm Piranhas über sie hergefallen. Ich war 1997 dort und besuchte eine Freundin. Das Haus ihrer Familie war zerschossen worden, wir konnten es besichtigen: eine Ruine, offene Fenster, offene Türen, ein verwilderter Garten, Parolen an den Wänden. Dort hinten war die Front, zeigte sie mir. Ein paar hundert Meter weiter jenseits des Maisfeldes. In diesen Kessel hinein schossen die Feinde, und durch den Beschuß hindurch rettete sich die Familie nach Deutschland. Als ich dort war, war der Krieg zuende. Mißtrauen herrschte, niemand wußte, ob dem Frieden zu trauen ist. In der Altstadt patrouillierten Soldaten der Friedenstruppe. Nachts war es so heiß, daß ich nicht schlafen konnte. Ermattet wachte ich auf und ein neuer Tag begann.
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