Lange Reihe von Tagen, da nichts los ist, wie man so sagt. Ich denke, daß die Leute fertig sind. Fertig im Sinne von erledigt, erschöpft, ausgekitzelt. Drei schwere Jahre liegen in uns und haben sonstwas mit uns und unseren Lieben veranstaltet. Das Schlimmste an dieser jungen Vergangenheit ist, daß wir so tun konnten, als sei es normal gewesen, so und nicht anders oder anders und nicht so zu handeln. Die Verstörung hält ja noch an, ganz gleich, ob wir sie leugnen oder nicht. Es mag sein wie nach einem Krieg. Ich habe noch nicht nach einem Krieg gelebt, nur Mostar besucht, nach dem dortigen Krieg. Ich bin 1964 geboren, ich bin ein Kind der Nachkriegszeit, ich bin neunzehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Westdeutschland geboren und dort aufgezogen worden. Also kenne ich vielleicht doch das Leben und Denken und Fühlen nach einem Krieg. Es gibt keine Normalität, die unbestritten wäre. Doch es gibt die Wirklichkeit der Dinge. Nein, leider nicht einmal die. Selbst die Dinge tragen einen Flor, eine zweifelhafte Bedeutung, einen unbestimmten Sinn. Jahrzehnte später erlöschen sie und kehren zurück zu ihrer bloßen Dinghaftigkeit? Allerdings täuscht das. Die Dinge sind aufgeladen, so daß ich mich wundere, daß sie nicht plötzlich explodieren.
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