Es war gut

Die kaputten Helden meiner Spätabendfilme schlucken Pillen, schütten sie aus einem Spender in die offene Handfläche, führen ihre Hand an den Mund, werfen den Kopf zurück und lassen die Pillen aus der in diese Kopf-zurück-Bewegung mitgeführten Handfläche in den mittlerweile weit geöffneten Mund rollen oder rutschen, und gleich darauf schlucken sie, und das Zeug beginnt zu wirken. Seit ich Kind bin und schlucken mußte, vermeide ich Pillen und gehe Medikamenten aus dem Weg. Sofern das möglich ist. Bisher ist es möglich, man wird sehen. Die Ecstacy-Pille, die ich vor füfnzehn oder mehr Jahren schluckte, tat gute Wirkung. Ich wurde ruhig und fühlte mich den Schönheiten der Erde und des Seins verbunden, lief im Morgentau durch die Hasenheide und hätte weinen können vor Glück und Ergriffenheit. Eine Wiederholung solcher Erfahrungen ist nicht möglich. Der, der sie mir gab, war damals sehr aufgeregt. Dauernd wollte er erklären, was das Zeug kann. Ja, es kann schon was. Doch das Entscheidende kommt von woanders. Ich tröstete ihn, indem ich sagte: Alles ist gut. Beruhige dich. Er aber blieb aufgeregt und redete weiter. Ich sagte: Du hörst mir nicht zu, ich sagte: alles ist gut.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Es war gut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert