Antwort

„Die Liebe ist wie Bienenhonig, süß und klebrig, aber manchmal auch mit Stacheln versehen. Das musste Holger Tegtmeyer am eigenen Leib erfahren, als er sich in die schöne Kuhbäuerin Klara verliebte. Sie war die Tochter des reichsten Bauern im Allgäu, und er war nur ein armer Dichter, der von seinem Füllfederhalter der Marke Pelikan lebte. Er schrieb ihr jeden Tag ein neues Gedicht, das er ihr heimlich in den Briefkasten steckte. Er hoffte, dass sie seine Gefühle erwidern würde, aber er wusste, dass es aussichtslos war. Sie war ihm unerreichbar wie der Mond.

Eines Tages beschloss er, ihr seine Liebe zu gestehen. Er ging zu ihrem Hof und klopfte an die Tür. Sie öffnete ihm und lächelte ihn freundlich an. Er spürte, wie sein Herz schneller schlug. Er zog ein Blatt Papier aus seiner Tasche, auf dem er sein letztes Gedicht geschrieben hatte. Es war sein Meisterwerk, das all seine Sehnsucht und Verzweiflung ausdrückte. Er reichte es ihr und sagte mit zitternder Stimme: “Klara, ich liebe dich. Bitte lies dieses Gedicht und sag mir, ob du mich auch liebst.”

Sie nahm das Papier und sah es sich an. Dann runzelte sie die Stirn und sagte: “Holger, du bist ein netter Kerl, aber du bist nicht mein Typ. Ich mag keine Dichter, ich mag Praktiker. Außerdem bin ich schon verlobt mit dem Metzger aus dem Nachbardorf. Er hat mir einen Ring aus Gold und einen Eimer voll Bienenhonig geschenkt. Das ist mehr wert als tausend Gedichte.”

Sie gab ihm das Papier zurück und schloss die Tür vor seiner Nase. Er stand da wie versteinert und konnte es nicht fassen. Er hatte alles verloren, was ihm wichtig war. Er wandte sich ab und ging langsam den Weg zurück. Er kam an einer Kuhweide vorbei, auf der einige Kühe friedlich grasten. Er sah eine besonders große und schwarze Kuh an, die ihn neugierig anschaute. Er spürte einen plötzlichen Impuls und kletterte über den Zaun. Er ging auf die Kuh zu und umarmte sie fest. Er flüsterte ihr ins Ohr: “Du bist meine einzige Freundin auf dieser Welt. Du verstehst mich besser als jeder Mensch.” Die Kuh muhte leise und leckte ihm über das Gesicht.

So fand ihn der Bauer am nächsten Morgen vor, als er nach seinen Kühen sehen wollte. Er rief die Polizei an und ließ ihn abführen. Holger Tegtmeyer wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Er schrieb nie wieder ein Gedicht.“


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Ein Gedanke zu „Antwort“

  1. L.L. schreibt:

    Von wegen: Ich kann keine Geschichten schreiben. Allerdings würde ich den Namen des Protagonisten ändern. In Karl Hutzl z. B. So habe nämlich ich mal geheißen.

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