Aufregung

Wenn die flügge gewordenen Jungvögel das Nest verlassen, müssen sie sich in die Tiefe stürzen und darauf hoffen, daß die Bewegung ihrer Flügel dazu führt, daß sie nicht auf hartem Grund zerschellen. Die Vogeleltern zeigen, wie es geht. Sie fliegen voraus, landen an einem nahe gelegenen Ort, wenden sich um und rufen die Kleinen. Das mutigste Vogelkind wirft sich über den Rand des sicheren Nests ins Ungewisse und flattert schreiend und aufgeregt herum. Doch es fällt nicht zu Boden. Das ängstlichste Vogelkind muß aus dem Neste gestoßen werden, und siehe: trotz der Angst bewegt es die Flügelärmchen genau richtig und stürzt nicht in die Tiefe. Kaum anders war es mit uns, als wir schwimmen lernen sollten. Nur daß jemand seinen Arm unter uns hielt und es Schwimmflügel gab, damit wir die Bewegungen lernen, die dazu nötig sind, um nicht unter Wasser zu geraten und zu ertrinken. Insofern hinkt der Vergleich, denn menschliche Aufgabe ist das aufrechte Gehen, trotz der angeborenen und schnell schwindenden vorbewußten Schwimmfähigkeit. Auch an das Erlernen des Fahrradfahrens läßt sich denken. Erst mit Stützrädern, dann sehr schnell ohne. Doch nichts kommt dem Mut der kleinen Vögel gleich, sich in die Luft zu stürzen mit rasend schlagendem Herzen.


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