Drei Positionen

Man lehrt uns, daß wir nicht vom Äußeren eines Menschen auf sein Inneres schließen sollen. Denn das gehört sich nicht. Sehen wir aber einen Film, kommen wir mit dieser frommen Devise der Vorurteilskritik nicht sonderlich weit. Denn Filme beruhen auf Stereotypen der Menschenkenntnis und demonstrieren geltende Wahrnehmungsmuster. Wir müssen lernen, unseren eigenen Augen und Ohren zu trauen und besuchen die Schule der Sinne jeden Tag neu. Deshalb ist man niemals fertig mit den Menschen, auch wenn es sich zuweilen so anfühlen mag. Das Leben ist kein Film, doch im Film finden gedrängt zusammen jene Kriterien, nach denen wir entscheiden, wie wir uns zu einem anderen Menschen stellen wollen. Neben ihn, gegen ihn oder fernab von ihm. Die Vorurteilskritik darf es sich nicht zu billig machen. Die Klischees sind nicht deshalb gefährlich, weil sie falsch sind. Sie sind gefährlich, weil sie als halbwegs zutreffend empfunden werden und dazu verleiten können, eine konkrete Situation falsch zu entscheiden. Am hartnäckigsten mögen die Vorurteile gegenüber der eigenen Person sein.


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