Wunderaugen

Als ich Kind war, dachten einige von mir, ich sei zu übermütig. Die halbe Familie machte sich Sorgen, daß ich zu wild sei oder zu unbekümmert. Auch fanden sie, daß ich dauernd übertreibe. Aber sie wußten ja nicht, wie stark ich empfinde. Offenbar das Doppelte von dem, was bei ihnen ankam. Alles wirkte groß und mächtig, überwältigend sowieso, oft erdrückend. Und der Jubel über das Schöne und die Freude so groß, wenn etwas geschah, was insgeheim erhofft worden war. Sie wußten, da sie mich skeptisch musterten, nichts vom Kummer meiner Nächte. Ich fand nur spät in den Schlaf, warf mich hin und her, gepeinigt von inneren Bildern. Mir gebührten die Alpträume, sie warteten bereits auf mich. Nacht für Nacht. Kein Wunder, denke ich heute, daß ich nicht ins Bett wollte. Was für ein Wesen ist ein Mensch, wo kommt er her, was soll er hier anstellen? Ich weiß keine Antwort, ich muß sie leben.


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