Wie möchten wir es nennen, wenn ein Politiker einem anderen Populismus vorwirft. Wie es bezeichnen, wenn einer zum anderen sagt, es ginge ihm nur um Macht. Wie sich dazu verhalten, wenn sie von Verantwortung übernehmen sprechen und sich nicht trauen, das Wort Macht in den Mund zu nehmen.
Wir haben weder etwas gegen Macht noch gegen Politiker. Wer etwas machen möchte, braucht Macht. Die Politiker sind dazu da, sich um öffentliche Angelegenheiten zu kümmern, um die sich sonst niemand kümmert. Politik als Beruf, Max Weber. Politiker sind Profis oder werden es mit der Zeit. Kein Einwand.
Die AfD wird innerhalb der nächsten zehn Jahre integraler Bestandteil der parlamentarischen Landschaft und koalitionsfähig sein. Zuvor wird sie sich reinigen müssen. Nicht aufgrund der Anfeindungen, sondern mit Rücksicht auf die vernünftigen Anliegen, sofern sie solche vertreten kann.
Daß „der rechte Rand der Gesellschaft“ sich hin und wieder parlamentarisch zu erkennen gibt, sollte nicht wundern. Er ist immer da gewesen und hat sich parteipolitisch unterschiedlich manifestiert. Immer wenn die CDU/CSU nach rechts nicht „abschließen“ kann, entstehen solche Vorstöße.
Ob die altbewährte Rechts-links-Logik noch greift und zeitgemäß ist, wird sich weisen. Seit einigen Jahrzehnten befindet sie sich in Revision. Mir ist nichts Neues bekannt, das sie zugunsten einer intelligenteren Einteilung ablösen könnte. Sahra Wagenknecht ist deshalb interessant, weil sie die Abwanderung der ehemals Linken zu den AfD-Rechten verstanden hat.
Geraten die Dinge außer Rand und Band, wird das Bürgertum erneut die Faschismus-Variante wählen, um Interessen durchzuboxen und Privilegien zu sichern. Wird in einem bürgerlichen Viertel ein Asylantenheim errichtet, beginnt ein Spektakel, das ins naturalistische Drama passen würde. Gift und Galle, Blut und Tränen. Jede Menge Heuchelei.
Den drei Fragezeichen würde ich ein viertes hinzufügen mögen: Wie steht es um dich selbst? Ich wende die Frage an mich und antworte wahrheitsgemäß: Derzeit gut, fast schon unverschämt gut, denn ich beobachte die Verhältnisse und weiß, daß ich nicht die Verhältnisse bin. Andererseits erkenne ich, wie politisch Fehler auf Fehler gemacht werden, und kann nicht eingreifen.
Das Politische ist nicht mein Zuhause. Es ist zu relativ. Ich strebe in ein erreichbar Absolutes, in die Poesie, in die Natur. Meinem Wesen nach bin ich Euphoriker, demnach muß ich auf mich aufpassen. Das habe ich gründlich gelernt und gehe keinen Schritt zu weit. Und doch gehe ich, weiter und weiter. Auch hier. Ich selbst würde mir folgen. Das klingt unbescheiden und meint das Gegenteil. Scham begleitet mich, seit ich begonnen habe, hier zu schreiben.
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