Ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben

Geläufig ist die Unterscheidung von frei von etwas und frei zu etwas. Dieser entspräche die Freiheit als Freundschaft und der geglückten und erfüllenden Beziehungen. Ich habe solche Freiheit kennengelernt und würde sie wieder suchen, wenn sie sich böte oder ich sie mir erkämpfte oder sie mir als Lohn meiner Mühen eintrüge. Ich möchte jene, die häufig als negative (zuweilen sogar als destruktive) Freiheit bezeichnet wird, nicht in Mißkredit gebracht sehen wollen. Denn ein fort von etwas Schlimmem oder Unerträglichem schließt ja ein hin zu etwas Erfüllenden und Beglückenden nicht aus, könnte sogar dessen Voraussetzung sein. Es gibt Akte der Freiheit, die aus Verweigerung bestehen. Keinen Tag, keine Minute länger solche Schmach! Revolutionen sind Notwehrakte und bleiben verständlich, selbst wenn sie, wie es nicht selten geschieht, in neues Ungemach geleiten. Ürigens kann man sich die abstoßenden und die anziehenden Kräfte nicht aussuchen, man gerät in sie hinein. Wer weiß, was er nicht will, wird vielleicht eines Tages wissen, was er möchte und wonach er sich sehnt. Und es gibt, das sei nicht verschwiegen, die einsame Freiheit weiter draußen oder weiter oben (Gipfelmetapher), sie beruht auf Distanz und innerer Sammlung. Eines Tages aber stieg Zarathustra, seiner Weisheit müde, zu den Menschen hinunter.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert