Bald ist wieder Vollmond

Wer über etwas zu sprechen versucht, bemerkt, während er spricht, mit nur sehr geringer Verzögerung, daß es einen Abstand gibt zwischem dem, was gesagt werden soll, und dem, was gesagt wird. Das frustriert. Gäbe es eine Deckungsgleichheit von Sprache und Wirklichkeit, bestünde die Wirklichkeit aus Sprache. Das tut sie nicht, darum wird es immer Freiheit geben. Deshalb auch scheitern die Programme zur endgültigen Verbesserung der Welt. Aus dem Mangel, auch aus der Frustration, daß die Lücke nicht zu schließen, die Distanz nicht aufzuheben ist, erwächst als konstruktives Element die Einsicht, daß die Akte des Sprechens und Schreibens Handlungen des Denkens und Fühlens, also solche der Auffassungsgabe und der geistigen Durchdringung sind und die Beschränktheit desjenigen, der sie ausführt, sie zugleich auszeichnet. Die Signatur. Niemand ist überflüssig. Obwohl es sich um einen Versuch einer Annäherung handelt, muß die Kluft betont werden (statt sie zu verdecken und das Wort für die Wirklichkeit zu halten). Andererseits (es gibt immer ein Andererseits) ist im Lied oder Bild die Wirklichkeit derart dargestellt, daß das Dargestellte das Darzustellende ist. Darin liegt die „beschwörende“ Macht der Kunst. Sie bannt die Phänomene für den einen Augenblick.


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