Einladung zu einem Sturm

Eine eigenartige Erziehung ist das, wenn man von Sturm und Drang redet, aber nicht den Sturm kennt. Was ist denn ein Sturm – das sind zerstörerische Windstärken. Solche Winde enthaupten eine Landschaft, kappen Strommasten, schleudern Fahrzeuge umher, fassen unter Dachüberstände. Sie sind Vernichtung des Bestehenden. Stürme sind Gewalt ohne Absicht. Die Natur – falls dieses Wort helfen kann – ist Gewalt und Ursprung zugleich, niemand wird ihr jemals entkommen können.

Der sogenannte Zufall hat mich mit Geburt in eine Gegend gesetzt, in der fleißig daran gearbeitet wird, der Natur ihr Terrain substantiell streitig zu machen. Nun kann schon eine ganzes Auge transplantiert werden, nur daß der Patient mit dem ausgetauschten Auge vermutlich nicht wird sehen können. Die durchtrennten Sehnerven zu flicken ist schwierig. Halber Triumph eines Begehrens, das dahin geht, von den Willkürakten der Natur sich befreien zu können. Auch die Impfung genannten Interventionen in den menschlichen Körper mittels neuartiger mRNA-Injektionen stellen Versuche dar, der vermeintlichen oder tatsächlichen Allmacht der Natur etwas entgegensetzen zu können zum Ruhme des erfinderischen Menschen. Siehe Prometheus und Goethes Gedicht.

Wenn Sturm die schnell sich bewegenden und die Landschaft durchfegenden Winde ist, muß Drang die ursächliche Kraft sein, die solche Winde bewegt und ihnen die Richtung weist. Drang als Trieb. Jeder Trieb will sich befreien, ist ein Kerkergeschöpf von fürchterlicher aufgestauter Kraft. Die nimmt sich zusammen und ballt sich und entlädt sich und wirkt Wunder oder Verderben. Eine eigenartige Erziehung ist das, in der das Grundlegende nicht genannt ist, vielmehr vorausgesetzt zu sein scheint, daß gewußt wird.


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