Ist ein paar Jahre her, da redeten wir über Authentizität. Ich habe es nicht vergessen. Authentisch sein zu dürfen, sich demnach zeigen und geben zu können, wie man tatsächlich ist, und das dort, wo solche Eigentlichkeiten zunächst einmal keinen Platz zu haben scheinen, wirkt verführerisch. Allerdings unterstellt solche Hoffnung, daß die Masken perfekt sitzen und schützen, daß es aber besser wäre, sie abzulegen, im Sinne einer Verwirklichung (entgegen einer Entfremdung) – einer Verwirklichung wessen? Die Rolle soll entmachtet zugunsten ihres Trägers. Der soll zum Vorschein kommen. Mir fällt dazu, nach diesem Gespräch vor ein paar Jahren, Wolfgang Ambros Lied Schaffnerlos ein, in dem es ganz und gar um die Rolle geht, in keinem Vers aber darum, wer hinter diesem Schaffnerlos steht, welches Individuum es ausfüllt. Zugleich bemühe ich mich in meinem Leben – ich kann kein anderes parallel führen – tatsächlich darum … Nein, ich bemühe mich nicht darum, ich kann kaum anders, es fällt mir leicht.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.