Im Januarregen

Spaziergang durch die nasse Stadt. Die Häuser stehen noch. Die Silvesterschießerei hat Schmutz hinterlassen. Feucht gewordenen Pappmagazine der Raketenabschußstationen sehen lappig und unansehnlich aus. Reste von einigen Sekunden Ruhm. Im Kulturkaufhaus Dussmann sitzt eine Kundin dicht am Fenster, den Rücken zur Friedrichstraße, und liest in Wie Serienmörder denken. An der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden steht eine junge Frau und schluchzt. Ich kann nicht eine wildfremde Schluchzende fragen, ob ich helfen kann. Ich könnte es tun, doch ich weiß, daß sie abwinken würde. Ist schon gut. Wir sollten uns alle an die Kreuzungen der großen und frequentierten Straßen stellen und schluchzen. Es muß von Herzen kommen, sonst wird das nichts. Was denn nichts? Die Klagen des übergangenen Leids.


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