Wer dazu neigt, sich hinsichtlich des gesellschaftlich eingebundenen und ständig konkurrierenden Menschen Illusionen zu machen, wird in George Simenon einen Autor finden, der von solcher Fehlsichtigkeit heilt. Schnellkurs in Ernüchterung, sofern man trunken ist von Menschlichkeit und überbordender Freigiebigkeit. Simenon zeigt, daß die Kirche im Dorf bleibt. Seine Helden sind sämtlich fehlbar, verführbar und in ihrer jeweiligen Dummheit schlau, umgekehrt sowieso. Ein Grundzweifel an allem, was verkündet und vorgezeigt wird, bewegt diesen Autor des schnellen und energischen Schreibens. Er sieht nach, wie gehandelt wird, und ist frei von jeglichem Idealismus. Idealismus hat bei ihm bestenfalls Platz in den Journalen. Die sind für den Tag geschrieben, da kommt es nicht so darauf an.
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Ich kenne nicht alle Bücher von ihm. Wer tut das? Der beste seiner Romane ist laut Andre Gide „Schmutziger Schnee“. Ich stimme ihm zu. Ein ganz außergewöhnliches Werk.