Nun endlich ist mir auch deutlich, was ich bei allem Gerede (über diese und jene Gruppen), die die Politik anstimmt und die die Journalisten mitanstimmen – unklar, wer wen anstimmt – vermisse: die Würde des einzelnen. Politik handelt nicht vom einzelnen, Wissenschaft ebenso wenig. Wir kommen als die, die wir sind, dort nicht vor. Das macht das Einsamkeits- und Kältegefühl, wenn man sich anhört und durchliest, was geredet und verbreitet wird. Ich muß die Gruppenbezeichnungen nicht erst aufrufen, durch die wir uns entweder aufgehoben fühlen oder untergebracht sehen. Gruppen interessieren mich aus der Perspektive des Betrachters. Politik versucht, die Gruppen zu sortieren, zu organisieren und zu segregieren. Herrschaftstechnik. Berater zeigen, wie es geht. Das ist eklig, das ist Praxis. Mir lief es kalt den Rücken herunter, als ich die Bauern vorm Brandenburger Tor sah, mit ihren starken Zugmaschinen. Mir war, als erblickte ich Ureinwohner.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.