Man müßte das Vertrauen nicht eigens hervorheben, herrschte nicht eigentlich das Mißtrauen zwischen den Menschen vor. Wenngleich ich nicht sicher bin: Zwar sind die Leute mißtrauisch und vorsichtig, doch sehnen sie sich sichtbar danach, solche Positionen der Distanz und Reserve verlassen zu dürfen. Kinder sind diesbezüglich ein lehrreiches Beispiel. Der Mensch ist ein gruppen- und paarbildendes, äußerst soziales Wesen. Man kann sich selbst untersuchen, falls einem danach ist. Hin und wieder wird die Rede gebracht auf einen der sogenannten Menschenfeinde oder Menschenverächter. Es mag solche Leute geben, Schopenhauer wird oft genannt. Enttäuschungen begünstigen den Rückzug in die scheinbar selbstgewählte Einsamkeit. Allerdings beruhen die Enttäuschungen nicht selten auf Täuschungen, also einer unrealistischen, demnach wohl idealistischen Auffassung davon, wie ein einzelner Mensch, der Geltung beanspruchen möchte, zu sein habe. Insofern sind sie heilsam. Mit Menschen bewegt man sich im Relativ – im Kommt-darauf-an. Dies hinnehmen zu können, ohne in die Tiefen einer Verzweiflung zu stürzen, würde ich erwachsen, wenn nicht weise nennen – wobei der Protest nicht ausbleiben wird. Denn es muß das Absolute geben. Schließlich wird es ersehnt und sogar gefühlt.
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