Rolltreppe gegen die Richtung

Geburtstag eines Schulfreundes von damals, als wir heranwuchsen und ein eigentlicheres Bild von der Welt und den Vorgängen in ihr zu erhalten bestrebt waren. Wir diskutierten. Die Wirklichkeit, deren Teil wir nun auch geistig zu werden uns anschickten, forderte von uns, neu betrachtet und neu bedacht zu sein. Sie nannten es Pubertät. Auch die Körper wuchsen über uns hinaus. Sollte man sich ihrer schämen? Wir genossen unsere gottgegebene Intelligenz, ohne je an Gott zu denken. Der Konfirmandenunterricht war vorbei, erfolgreich absolvierte Initiation, es gab Geschenke. Wir waren weltlich und diesseitig bis zum Umfallen. Das Sexuelle quälte, wir gedachten der Liebe ehrfürchtig, ängstlich, in zitternder Vorahnung. Aus uns sollte was werden, das war gewiß – doch was genau. Wir waren Blutsbrüder (ohne Zeremonie mit Messer, Schnitt und Blut), dann kam es zum Streit. Auf einer Rolltreppe in einem Kaufhaus während einer Kursfahrt nach Berlin oder Wien. Wir hielten uns keine Minute länger aus. Der Streit schnitt uns entzwei, und unsere Entzweiung betraf den Freundeskreis, der sich in Hälften teilte. Dieser Schulfreund und Blutsbruder feiert heute Geburtstag. Ab und an denke ich an ihn, frage mich aber kaum, was er jetzt macht. Irgendwas wird er schon machen.


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