Papier

Manchmal habe ich Sehnsucht nach Nachrichten. Nach intelligenten Nachrichten – falls es solche geben kann. Nachrichten sind ja neutral, habe ich gelernt und nicht vergessen. Ich stelle mir dann vor, ich könnte eine Seite aufrufen, auf der sich das befände, was ich suche. Was suche ich denn? Ich suche das Schöne und das Wahre, doch ich habe gehört und gelesen, das Wahre sei nicht schön und das Schöne meistenteils erlogen oder gefälscht. Das ist traurig. Früher habe ich nach einer Zeitschrift gesucht, die ernsthaft klug ist und sich nicht in den Meinungsstrudeln der wechselnden Interessenlagen irgendwelcher Bonzen und Schlipsgesichter verliert. Wir waren einmal kurz davor, selbst eine Zeitschrift für Kunst und Lebenskunst herauszubringen, und ich weiß auch noch deren Namen. Ich habe keine Sehnsucht nach bloßen Nachrichten, ich habe Sehnsucht nach Gedankenblitzen, nach aufflammendem Genie, nach kühler Analyse, nach einem Wissen, das in die Tiefen aller Herkunft leuchtet, nach einer ungekauften Wahrnehmung, nach der Vermählung der widerstreitenden Impulse des Herzens und des Hirns.


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