Ein gesunder und robuster Realismus tritt mit dem Anspruch an, die Wirklichkeit zu zeigen, wie sie ist, und tritt damit in Konkurrenz zu idealistischen Konzepten, für die Wirklichkeit lediglich eine Absprung- und Aussichtsplattform ist, von der die nächsthöheren Ebenen ins Visier genommen und als erreichbar erkannt werden. Dazu sei gesagt, daß ein wie auch immer gearteter Realismus in der Kunst (also der Wahrnehmung und Darstellung) erst auftauchen kann, wenn die Wirklichkeit ungewiß geworden ist oder des einen Wirklichkeit nicht die des anderen sein kann. Realismus ist Ausdruck eines Kampfes um Darstellung und Auffassung von gesellschaftlicher Wahrheit, oft mit pädagogischem Eifer.
Was wäre gewonnen, frage ich mich, wenn ich daran ginge zu beschreiben, wie heute mittag mein Klo verstopfte, wenn ich zeigte, welche Anstrengungen ich unternahm, dieses Malheur zu beheben, welcher Mittel ich mich bediente und wie es schließlich gelang. Sagen wie es ist. Andererseits verblüffen mich Menschen, die mir mitteilen, sie gingen jetzt mal kacken. Ähnliches hätte ich mir denken können, müßte es aber nicht tun. Sie verschwänden einfach und kämen später zurück. Als Realist trifft man demnach eine Entscheidung, und die handelt nicht zuletzt von Geschmack. Die Kassierin im Baumarkt, die mir das kleine Werkzeug, das ich benutzte, abzog, wünschte mir einen schönen Abend.
Wenig wäre gewonnen, antworte ich mir. Ein verstopftes Klo stellt nichts in Frage, nicht einmal das Abflußrohr. Es mag ungelegen kommen, es kann niemals zur richtigen Zeit geschehen. Eigentlich hätte ich anderes erledigen müssen. Doch ist es Wesensmerkmal des Wirklichen, vordringlich zu sein. Bei einem Wasserrohrruch, wenn die eigene Wohnung volläuft, hört selbst der Poet auf zu dichten und ruft um Hilfe. Wirklichkeit ist nicht immer schlimm. Es gibt auch Schönes.
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