Das bürgerliche Selbstgespräch geht weiter. Trotz kurzer Unterbrechungen wird es seit etwa zweihundertfünfzig Jahren geführt und halbwegs erfolgreich unter substantiellen Verlusten fortgesetzt. Bürgerliche Autoren sprechen zu einem bürgerlichen Publikum über bürgerliche Probleme. Was zeichnet diese Bürger aus, wodurch unterscheiden sie sich von anderen? Sie können sich nicht auf Herkunft berufen, werden jedoch lernen, es zu tun. Sie reklamieren für sich Bildung, Leistung, Tugend. Daher das Messen und Vergleichen, daher auch die wimmelnde Konkurrenz. Was sind bürgerliche Probleme? Es sind die eines fixierbaren Status‘, einer Dauer, eines verläßlichen Haltes in der flüchtigen Zeit, einer Bewahrung des gesellschaftlichen Ortes und dessen Geltung. Wenn Heiner Müller bemerkte, in Deutschland drehe sich alles um den verlassenen Thron, ließe sich anfügen, die Bürgerlichen umkreisten unsicher schwirrend die erwünschte Nobilität. Wer könnte eine solche verleihen? Die Kaiserkönigeführer sind erledigt. Vor den ruhmbedürftigen Bürgerlichen klafft ein Spalt des Nichts. Untereinander sind sie spinnefeind. In der egalitären Ebene können sie Pferderennen veranstalten. Geld türmt sich auf wie in Dubai. Was bleibt zu tun, was wäre zu lassen? Das sind echte und ernste Fragen. Vor deren Ernst lassen sich noch ein paar Spektakel ziehen. Eine davon ist der Krieg. Ich finde das auch nicht lustig.
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