Jemand, den ich eigentlich hassen müßte aus tiefster Kinderseele

Im Dorf nannten sie ihn Katzen-Köster. Fuhr er auf seinem Moped die Dorfstraße an unserem Hof entlang, den Rucksack auf dem Rücken und im Rucksack die Jagdflinte, knurrte unser Hund und ließ sich nicht mehr beruhigen. Unser Hund war der zweite Raudi dieses Namens. Beim Tod des ersten Hundes namens Raudi war ich dabei. Er verendete vor unseren Augen, hatte einen Giftköder gefressen. Auf dem Trecker fuhren wir ihn heim, mein Vater am Lenkrad, ich auf dem harten Sitz über dem linken Hinterreifen. Seine Augen wurden glasig, endlich zuckte nichts mehr. Kinder weinen, wenn ein Hund ihres Herzens stirbt. Der zweite Raudi wußte nichts vom ersten, und dennoch geriet er außer sich, wenn Katzen-Köster vorbeifuhr, erneut hinaus in Wald und Flur. Im Dorf hieß es, er habe etliche Hunde auf dem Gewissen, und auch die Katzen haßte er, auch sie Wilderer. Vom Tischler im Dorf wußten wir, daß der Schäferhund vergiftet worden war. Damals hießen Schäferhunde Rex. Katzen und Hunde gehören auf den Hof, nicht in die Feldmark, hätte Katzen-Köster sich verteidigen können. Wohin er die Giftköder legte, blieb sein Geheimnis. Wie Katzen-Köster starb, weiß ich nicht. Wo seine Seele jetzt weilt, ebenso wenig. Was die Hundeseelen treiben, wenn sie gegangen sind, weiß auch niemand. Vielleicht habe ich soeben Besuch bekommen. Wie wenig ich weiß, das ist fast schon köstlich.


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