Ich lese jetzt viel über einen neuerlich herrschenden Konformitätsdruck. Konformismus ist eine Strategie, auf Druckverhältnisse zu reagieren, Widerstand eine andere. Ausweichen und Flucht sind weitere – auch die in Krankheit und Depression. „wer mitmacht hat mitmacht“, schrieb Stefan Döring. Solcherart mag der Anreiz sein, sich biegen zu lassen und der Macht zeitaktuell zu entsprechen. Andererseits: was ist attraktiv daran, ein Mitläufer oder Mitsprecher zu sein? Deren Ehrlosigkeit ist sprichwörtlich, man verachtet sie, spätestens hinter der nächsten Biegung des Zeitstroms. In jeweiliger Gegenwart stehen die Konformen in der Blüte bangender Gefolgschaft und befolgen (anfangs noch etwas tapsig) die Regeln der autoritär gesetzten Richtigmachmentalität. Sie bekommen gute Noten und sagen: Das macht man jetzt so. Sie sagen auch: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Da sie von wenig überzeugt sind, lassen sie sich dauernd überzeugen zu irgendwas – sofern es nur von oben kommt und Anschluß garantiert. Sie möchten auch nicht abseits stehen, wenn die Gemeinschaft der Orientierten tagt und die Posten vergibt.
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