Im Wald läßt sich eine eigene Art des Fürchtens lernen. Hinter jedem Baumstamm könnte jemand stehen und warten, ausgerechnet auf mich. Denn im Wald, da sind die Räuber. Früher waren sie dort, siehe die Geschichte des Schinderhannes genannten Johannes Bückler, hingerichtet zu Mainz im November 1803 mitsamt neunzehn seiner Getreuen vor dreißigtausend Schaulustigen. Die an Menschen verübten Verbrechen ereignen sich ansonsten eher in oder im Umfeld der Ansiedlungen. Im Wald sei ich sicher, versicherten geländegängige Leute, sofern ich nicht zwischen eine Wildsau und ihre Frischlinge gerate. Dennoch mitunter diese urplötzlich einstechende Furcht, wie aus unvordenklicher Zeit, als seien die Schrecken der Vorvergangenheit, als der Mensch noch nicht der Beherrscher aller toten und lebendigen Dinge war, weiterhin lebendig. Solche Erwägungen über vermeintliche oder echte Zusammenhänge und Verbindungen machen Mystik-Thriller sich zu eigen und fahren das Schreckenspotential des vorderhand Unerklärlichen in Höhen gefühlter Unerträglichkeit. Die Haare stehen zu Berge. Mir ist, als stecke der eigentliche Schrecken in uns. Die Überschrift umgekehrt.
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