„Ist man in der Weite des Raumes ein sinnloses Treibgut, wie viele es ja annehmen, die Erde schwimmend im Irgendwo irgendwie, im nihilistischen Nirgendwo, oder empfinde ich das als sinnvoll. Das ist die Frage des Sinns. Empfinde ich einen Sinn? Gibt es einen Sinn, der nicht nur meine Projektion ist (…) oder gibt es einen übergreifenden Sinn, der sich in viele Einzelsinnhaftigkeiten der Individuen auffächert? (…) Die Uniformierung in der Technik ist monströs. Es macht die Menschen zu Leuten. Oder auch zu halbmechanistischen Wirkeinheiten, die auch genauso roboterhaft sprechen. Die sind auch gar nicht kontaktierbar. Wenn man einen lebendigen Menschen anspricht, der einen Ich-Kern hat, dann hat man eine Resonanz. Aber es gibt Wesen, die spricht man an, aber da ist niemand zuhause. Wenn man an die Tür pocht und sie öffnet, sieht man, da ist keiner. Das Haus ist gar nicht bewohnt. (…) Deswegen kann sie auch nicht angesprochen werden. Da ist nur eine Funktion technisch-mentaler Beeinflussung, aber ein lebendiger Mensch ist gar nicht da. Wenn der Mensch zur Funktion wird, ist es sowieso zu spät. Und das erleben wir heute, in dieser Krise, besonders.“
Aus: Jochen Kirchhoff, „Das Unendliche und das Endliche“ (Interview), 19.4.2021, Youtube
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