Ein Jegliches kann zur Besessenheit ausarten, auch ‚das Schreiben‘. Da sie solche Besessenheit zu zeigen versucht, mag ich die kleine Serie So long, Marianne. Sie soll handeln von der großen und gewissermaßen lebenslänglichen Liebe zwischen Marianne Ihlen und Leonard Cohen, insbesondere beider gemeinsamer Zeit auf Hydra, einer griechischen Insel, die eine Zeitlang Künstler und Lebenskünstler anlockte, Mitte bis Ende der sechziger Jahre. Der auf den künstlerischen Durchbruch (und öffentliche Anerkennung) hinfiebernde Serien-Cohen spricht auf der Terrasse mit den Insekten, gierend nach Information und Inspiration, und schreit sie schließlich an. Sie geben zwar Zeichen, doch nicht die erhofften, die ersehnten, die benötigten. Insekten besorgen ihre eigenen Angelegenheiten – nicht die eines in den Wahnsinn driftenden Nachwuchsdichters, der die Erfüllung seiner angemaßten (intuitiv gespürten) Autorschaft erzwingen möchte, da in ihm sonst etwas explodiert und um die Ohren springt und seinem Körper Wunden zufügen wird. Solches Leiden, einer Geburt vielleicht metaphorisch nicht unähnlich, quält und martert die Sinne. Die kleine Serie mag ‚lieb‘ gestaltet und umgesetzt sein, doch die Heftigkeit des im sinnvollen Wahn befangenen Dichters, der sich keiner einzigen Sache gewiß sein kann, vermag sie dennoch in Augenblicken zu zeigen. Der Serien-Leonard ißt schon nichts mehr, man kann seine Rippen zählen. An der Hauswand steht etwas von I CHANGE I AM THE CHANGE und so weiter. Das Ich und seine Wechsel und Verwandlungen. Dieses ständige Aufflammen von Leidenschaft, die mangelnde Geduld. Zeit zu sprechen, Zeit zu schweigen. Nichts ist in der Balance. Und auch später ist das Gleichgewicht zwischen dem, was erstrebt ist, und dem, was gelingen kann, in heiklen Verhältnissen. Niemand lehrt das, doch man könnte es wissen. An Heftigkeit hat es selten Mangel.
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